bildungsMOMENTE: St. Hemma

© Winkelbauer

MARIA VON MAGDALA
Weggefährtin Jesu, österliche Prophetin und erste Apostelin

„Im Blick“-Vortrag von Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Taschl-Erber, Professorin für neutestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholischen Privatuniversität Linz, am 4. Mai in der Pfarrkirche St. Hemma (1130 Wien)

Frau Universitätsprofessorin Taschl-Erber behandelte in ihren Ausführungen, die von einer PPT-Präsentation begleitet wurden, drei Themenbereiche im Zusammenhang mit Maria von Magdala: Ihre Rolle und Darstellung in der Bibel, in der Rezeption der frühen Kirche und schließlich im Mittelalter und der Neuzeit.

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Maria von Magdala, benannt nach ihrem Herkunftsort, wird in allen vier Evangelien genannt und zwar häufig an erster Stelle von Frauengruppen, die teils erst im Zusammenhang mit der Kreuzigung aufscheinen. Dies lässt auf ihre Bekanntheit und Autorität schließen. Ihre Zeugenschaft von Tod, Begräbnis und der Auferstehung Jesu, der ihr als erste erscheint und sie mit einer Botschaft zu den Jünger:innen sendet, geben ihr den Charakter einer „Apostelin“.

In später apokryph gewordenen Schriftfragmenten (u.a. Evangelium der Maria) tritt sie als Gesprächspartnerin Jesu auf. Die im 2. und 3. Jahrhundert wiederholt diskutierten und festgehaltenen Rede- und Verkündigungsverbote für Frauen lassen darauf schließen, dass Frauen dies eben schon getan haben.

Die Kirchenväter (4. Jh.) interpretierten die österliche Sehererfahrung der Maria von Magdala als Heilmittel der Schuld Evas. Durch die Verschmelzung mehrerer, teils gleichnamiger und teils nicht näher bezeichneter Frauengestalten wurde Maria von Magdala als Sünderin identifiziert, als die sie dann viele Jahrhunderte lang dargestellt wurde. rst im 20. Jahrhundert wurde ihre Funktion als Apostelin wieder freigelegt.

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Etwa 65 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zum Vortrag von Frau Universitätsprofessorin Taschl-Erber in St. Hemma gekommen. Bei der anschließenden üblichen kleinen Agape hinten in der Kirche stand die Referentin noch lange wissbegierigen Teilnehmer:innen für Gespräche zur Verfügung.

Waltraud Winkelbauer

cu/cu